Unerfüllte Sehnsucht

Vor ein paar Tagen rief mich eine junge Dame an und erzählte, sie wolle sich schon sehr lange einen neuen Fotoapparat kaufen. Finanziell sei dies kein Problem, jedoch könne sie sich aus irgendeinem Grund nicht dazu bewegen. Fest überzeugt sagte sie: „Ich kann mir keinen Fotoapparat kaufen.“ Je mehr ich mich in sie einfühlte, desto stärker wurde mir bewusst, dass dieser Satz nicht der Wahrheit entsprach, sondern lediglich eine unglückliche, falsche Formulierung war. Diese hatte sich jedoch bereits so tief in dem Denken der jungen Dame verankert, dass sie sich in dem Gefühl der unerfüllten Sehnsucht verstrickt hatte. Dadurch war das, was so mancher Energetiker (fälschlicherweise) einen Blockade nennt in ihr entstanden. 

Wir müssen peinlich genau auf unsere Wortwahl achten, wenn wir mit uns selbst kommunizieren. Natürlich kann man nicht jeden Gedanken überwachen, und das sollte man auch nicht versuchen, doch es ist ein Muss, sich bei ´Blockaden´ jeglicher Art an die Realität zu erinnern, in diesem Fall also „Ich kann mir einen Fotoapparat kaufen, tue es aber aus irgendeinem Grund nicht.“.
Versuchen wir nun also, diesen Grund herauszufinden. 

Warum hyptnotisieren wir uns so lange mit irrealen Anschauungen, bis wir sie für wahr halten?

Einerseits ist es angenehmer und sicherer, in einem Irrglauben zu verharren und nichts zu tun, als etwas falsch zu machen und sich den daraus resultierenden Konsequenzen zu stellen. Sollten wir einmal scheitern bekämen wir es u.A. mit unserem strengen Über-Ich zu tun, dieser verletzenden inneren Stimme, die uns mit Aussagen wie „Du hast einen Fehler gemacht.“ quält. Bevor wir nun also Gefahr laufen, gefoltert zu werden, stellen wir uns lieber tot. Aus diesem Blickwinkel heraus ist es also gar nicht so unintelligent, irreale Anschauungen zu haben und sich von ihnen - unbewusst gewollt-  blockieren zu lassen. Andererseits steckt hinter jeder unerfüllten Sehnsucht auch etwas Un-erfühltes, also ein un-erfühltes Gefühl an das wir nicht herankommen, z.B. glücklich zu sein. Rational denken wir nun, dass uns ein Fotoapparat dabei helfen würde, dieses Ziel zu erreichen, doch unser Unterbewusstsein weiß, dass dem nicht so ist. Deshalb hält es uns davon ab, etwas zu tun, bzw. in diesem Fall zu kaufen, das uns nichts nützen würde. Es handelt sich also nicht um eine Blockade, sondern um eine hohe Intelligenz, die uns blockiert.

Warum blockiert uns unser Unterbewusstsein? 

Wie ein Schmetterling, so sind auch wir bis zur Vollendung unserer Entwicklung in einem Cocon. In diesem wachsen wir heran, bis wir soweit sind, auszufliegen. Wieso also sollten Sie Ihren Cocon sprengen, wenn Sie noch eine Raupe sind? Das wäre tödlich, und genau deshalb sollten Sie auch verharren, wo Sie sind, sprich: tatsächlich erst einmal nichts tun. Keinen Fotoapparat kaufen.Was nun Ihr Wachstum innerhalb des Cocon´s aufrecht erhält, bzw. anspornt ist Ihre unerfüllte Sehnsucht. Diese ist der Treibstoff Ihrer Entwicklung.

Um Ihnen dies ersichtlich zu machen lade ich Sie an dieser Stelle ein, sich folgende Szenen vorzustellen:

Es ist bereits dunkel draußen, und Sie wollten eigentlich gerade zu Bett gehen, da klingelt es an Ihrer Türe. Langsam erheben Sie sich und gehen verwundert in Richtung Eingang. Sie werfen einen Blick durch den Tür-Spion, doch niemand ist zu sehen. Nicht einmal das Licht im Gang brennt. Neugierig wie Sie sind öffnen Sie trotzdem die Tür, und entdecken ein klitzekleines Päckchen auf Ihrem Fußabstreifer. Es ist kaum größer als Ihr Fingernagel. Schnell schließen Sie die Türe und gehen mit dem seltsamen Päckchen in Ihr Wohnzimmer, wo Sie es auf einen kleinen Tisch legen. Erst jetzt bemerken Sie, dass ein kleines Zettelchen an dem Paket hängt, auf dem steht: „In diesem Paket befindet sich das Objekt deiner Begierde.“

Unschlüssig darüber, ob es sich bei dem Ganzen um einen Scherz handelt- wie sollte Ihr Objekt der Begierde in so ein kleines Päckchen passen?- legen Sie es wieder auf den Tisch vor sich. Skepsis macht sich in Ihnen breit, während Sie es weiterhin betrachten, doch aus irgendeinem Grund können Sie Ihren Blick auch nicht von ihm lassen. Nach einer Weile starren Sie förmlich darauf, blinzeln nicht einmal mehr- bis es schließlich auf magische Art und Weise vollkommen verschwindet. Sie sehen nun nichts mehr, außer ein schwarzes, funkelndes Meer.

Nach einer Weile sehen Sie weit hinten auf dem schwarzen Meer auf einmal eine Gestalt, die sich Ihnen langsamen Schrittes nähert, bis sie schließlich direkt vor Ihnen steht- überströmt von schwarzem Wasser, das nicht von Ihr abzufließen scheint. Etwas verängstigt gehen Sie einen Schritt zurück, doch da ergreift die Gestalt plötzlich Ihren Arm. In diesem Moment schwindet Ihre Angst wider Erwarten, und Sie empfinden eine Wärme, eine Liebe, eine Sicherheit, die sich auf Ihren gesamten Körper, ja Ihr ganzes Wesen ausbreitet. Sie sind in einem höchst angenehmen, ruhigen Zustand als Sie die Gestalt schließlich sagen hören:

„Das Wasser gibt mir Sichtbarkeit, doch bin ich nicht das Wasser. Es perlt nicht von mir ab, denn sonst könntest du mich nicht sehen. Meine wahre Natur ist unsichtbar, denn ich bin dieses Gefühl. Du kannst mich er-fühlen, indem du das Objekt deiner Begierde er-greifst- doch das, was du wirklich willst ist nicht das Objekt, sondern das Gefühl, das es umhüllt.“

Verwundert fragen Sie die Gestalt: „Doch brauche ich nun das Objekt, um dieses Gefühl zu erreichen?...Muss ich es besitzen?... oder kann ich das Gefühl auch auf eine andere Art und Weise bekommen?“ Da antwortet die Gestalt: „Jede unerfüllte Sehnsucht ist emotionalen Ursprungs und somit nicht auf der materiellen Ebene zu er-fühlen.“. Sodann verschwindet sie wieder im schwarzen Meer.

Ich möchte Ihnen anhand dieser Geschichte zeigen, dass wir uns sehr oft von Dingen oder anderen Menschen ein bestimmtes Gefühl erwarten, das wir aber nur zurück bekommen können, wenn wir es vorher bereits aus uns selbst heraus gegeben haben. Um es aus uns selbst heraus geben zu können müssen wir es also vorher bereits besitzen. 

Der Sinn des Lebens

Hierzu möchte ich abschließend kurz zum Thema Sinn des Lebens ausschweifen: Der Sinn des Lebens, oder the sense of life birgt in sich schon die höchste Erkenntnis: nämlich dass wir hier sind, um zu fühlen (to sense), bzw. mit allen Sinnen zu empfinden. Wenn Sie nun eine uner-fühlte Sehnsucht in sich tragen heißt das nichts Anderes, als dass Sie Ihren emotionalen Bedürfnissen keine Barrieren mehr setzen sollten- und zwar innerlich. In Ihrer Fantasie können Sie sich alles erfüllen, was Sie wollen. Sie können auch alles fühlen, was Sie wollen. Dadurch erschaffen Sie reale Gefühle in sich, denn für Ihr Gehirn spielt es keine Rolle, ob etwas wirklich passiert, oder nur eine Vorstellung ist.